Cream Interview

Cream erkennt man an seiner einzigartigen Delivery sofort.
Der Augsburger Rapper prahlt und schimpft und analysiert auf seinen Tracks diverse Themen, baut komplexe Reimketten, und macht so richtig Stimmung.

Wenn man sich die Zeit nimmt, ganz genau zuzuhören, erblickt man dahinter oft mehr als man erwartet - genau deswegen freue ich mich sehr, ihn bei meiner Halloween show im Lineup zu haben!

Und da ich jetzt endlich die Gelegenheit habe, mit Cream zu arbeiten, habe ich ihm gleich noch ein paar Fragen gestellt...

Q) Fangen mir mal mit den Grundlagen an - Cream - woher kommt der Name, und wie passt der in deine Identität als Künstler? Und was bedeutet die 861?

A) Der Name kommt vom Wu-Tang-Song "C.R.E.A.M.". Ich hab den Clan früher rauf und runter gehört. Plus, ich mag dieses Einsilbige einfach. Die 861 - Teile der Augsburger PLZ - musste ich für Spotify und Insta mit in den Namen aufnehmen, weils den Namen "Cream" schon gab.

Q) Deine Delivery erkennt man sofort wieder - es fühlt sich manchmal so an, als würde mein Vater mich schimpfen. Hast du schon immer so gerappt? Was verbirgt sich dahinter?

A) Ich liebe einfach den Competition-Gedanken in Rap. In einem Streitgespräch mit einem fiktiven Gegenüber rede ich ja auch nicht ruhig und besonnen, sondern emotional und laut. Das heißt nicht, dass ich nur rumschreie auf Songs, ich hab auch ruhigere Nummern.

Q) In deinen Songs spielst du mit Rap-Klischees - einerseits machst du dich lustig darüber, wie Leute einen auf Gefährlich machen oder mit ihren Frauen angeben, andrerseits stopfst du in einem Video wen in deinen Kofferraum, und meinst du gehst nur Fremd wenn es sich "tatsächlich nicht vermeiden lässt" - wie erklärt sich bei dir der Widerspruch? Spielst du einen Character?

A) Das sind ganz einfach unterschiedliche Stimmung, wie sie jeder von uns hat. Auf ernsteren Songs prangere ich dieses Gehabe natürlich an, auf anderen Songs mach ich mich darüber lustig. Der Grund-Tenor ist dennoch immer derselbe, dass ich das komplett stussig find. Gerade dieses "ich geh nur fremd, wenn es sich nicht vermeiden lässt" wird ja ultra oft gebracht, nur mit anderem Wording. Rapper tun so, als könnten sie nicht Verantwortung für sich selbst übernehmen, nur weil sie auf Suff und/oder Drogen - beides selbstgewählte Mittel zum Feiern - die Kontrolle über sich verloren haben und die Verantwortung von sich weisen wollen. Das ist mit das Bekloppteste, was ich kenn. Das trink nicht oder wirf nicht irgendeinen Rotz ein, wenn du keine falschen Entscheidungen treffen willst. Aber ey, es heult sich anscheinend auf Songs einfach besser, wenn man in bestimmten Lebensbereichen reingeschissen hat. :)

Q) In deiner Kunst sieht man erstmal Wut, dahinter auch viel Verletzlichkeit und Stolz... wie viel von dem Cream auf der Bühne bist du im Alltag? Gibt es Seiten von dir, die wir nicht auf der Stage sehen?

A) Ich kehre nach und nach mein Inneres nach außen. Zuerst war es mir wichtig, dass Leute mich als Rapper ernst nehmen. Und diese "Ansagen-" und "Spaß-"Songs werde ich auch weiterhin machen. Aber ich fühle mich immer wohler mit dem Gedanken, mich auf Songs auch verwundbar und andere Seiten zu zeigen. Nur muss das nicht plump und offensichtlich sein, man muss eben doch genau hinhören.

Q) Zu den anderen Aspekten... in deinem neuen Album, "Kabale & Triebe" wird auch viel geschimpft und geflext - bis der letzte Track die Stimmung total Wendet. Was war da die Idee dahinter? Ist "Happy Place" ein Vorreiter eines neuen Sounds, oder eher eine Ausnahme?

A) Bei "Kabale & Triebe" war die Idee schon erstmal, mit Siggi zusammen auf Songs zu zeigen, was man rap-technisch so drauf hat. Den Song "Happy Place" haben wir bewusst als eine Art Cliffhanger als letzte Anspielstation mit auf die EP genommen, weil man nach den ganzen Ansagen auf dem Projekt doch noch ein Gefühl der Verletzbarkeit und Unsicherheit mitbekommen soll. Wir geben uns auf 6 Songs super selbstsicher und teilweise fast abgehoben. "Happy Place" soll das Projekt auch nicht schwächen, sondern eher eine weiter Facette zeigen, die vermittelt, dass jede/r von uns Unsicherheiten und Fehlbarkeit mit sich rumträgt, egal wie selbstbewusst man auftritt.

Q) Kabale ist ja eine Kollaboration zwischen dir und Siggi. Du hast auch einen Track mit Balu rausgebracht. Was suchst du in einem Kollaborationspartner? Gibt es bestimmte Artists mit denen du als nächstes Arbeiten willst?

A) Das Feature mit Balu kam zustande, indem er mich einfach gefragt hatte, ob ich Bock hab, bei ihm auf einen Song mit aufzuspringen. Ich habe ihn mal auf einem Gig in Muc kennengelernt und für super sympathisch empfunden, deswegen war das keine große Frage. Mit Siggi steh ich schon länger in Kontakt. Da ich gern Musik mit anderen mache, hab ich ihn vor geraumer Zeit einfach mal angehauen, ob er sich das vorstellen könnte, mit mir eine EP zu machen. Ich feier ihn einfach, seine Fähigkeiten am Mic und erst Recht die Person dahinter. Deswegen freu ich mich, dass das geklappt hat, und bin sehr stolz auf das Projekt. Ich hab keine konkreten Vorstellungen, wie ein potenzieller Kollaborationspartner auszusehen hat. Der Vibe muss einfach stimmen und ich bin schon ein großer Fan davon, sich mal persönlich kennengelernt zu haben, bevor ich eine ganze EP mit jemandem mache. Ich muss oder will jetzt aber erstmal wieder eine Solo-EP raushauen, dann kommt noch Skoliose Tape 4 und eine weitere Collabo-EP mit einem anderen Künstler ist auch schon in der Mache. Steht also viel an. Ich bin jederzeit ready, mit Leuten Features zu machen, nur ganze EPs o. Ä. hab ich erstmal noch genug auf meiner To-Do-Liste :)

Q) Zum Schluss - gibt es Leute, denen du ein Shoutout geben willst? Wer war so für deinen Werdegang wichtig?

A) Ich möchte Dizzepticon und TomFour grüßen, 2 sagenhafte Künstler mit jeweils ganz eigenem Stil, und natürlich Siggi! Meine Texte einer "Kabale & Triebe" Fortsetzung mit den dazugehörigen Beats stehen schon alle, der kleine Frechdachs soll mal hinmachen! :)

Wenn ihr Cream Live sehen wollt, kommt am 31.10 zu unserer Halloween Party am
Lights of Art, München.

Eintritt Frei, start 19:30

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