

interview mit Mighty C-ras
Im Juni durfte ich am Zamanand die Stage mit vielen anderen Artists aus der Szene Teilen.
Darunter war auch ein gewisser C-Ras - ein guter Freund, dessen Mukke mich seit unserem ersten kennenlernen fasziniert hat. Ich habe ihm ein paar Fragen gestellt...
Q: Falls dich jemand noch nicht kennt – wer bist du, und worum geht es in deiner Musik?
A: Mein Name ist C-Ras, ich komme aus Haar bei München, bin 34 Jahre alt und mache eigentlich schon Rap, seit ich 15 oder 16 bin. Damals haben wir mit den Homies und den B-Boys einfach ständig gefreestylt – auf Jams, Battles oder wenn wir am Bahnhof auf den Zug gewartet haben. Irgendwann kam dann das DJing dazu und seit Anfang 20 produziere ich Beats. Ein paar Jahre später habe ich dann auch angefangen, regelmäßig Texte auf meine eigenen Beats zu schreiben. Das ist im Grunde das, was ich bis heute mache.
Worum es in meiner Musik geht? Ehrlich gesagt um nichts Besonderes. Ich höre einfach selber gerne Musik und habe Spaß daran, Musik zu machen, die ich selbst feiern würde. Und wenn andere Leute das am Ende auch gerne hören, umso besser. Da steckt jetzt keine riesige Mission dahinter. Ich bin kein studierter Musiker und will auch nicht mit jedem Song die Welt verändern. Ich mache einfach gerne Musik.
Q: Du sagst ja selber: „Zieh den Stock aus dem Arsch.“
Ich finde, dieses Prinzip zieht sich durch deinen gesamten Katalog. Woher hast du deine Gelassenheit?
A: Ja, auf einem Track sage ich „Zieh den Stock aus dem Arsch“. Ich mache in meinen Texten schon gerne einen auf übertrieben selbstbewusst oder angeberisch, aber das gehört für mich zu Battle-Rap dazu. Man überhöht sich halt ein bisschen – am besten mit einer Portion Humor.
Ich finde grundsätzlich, man sollte sich selbst und auch andere nicht zu ernst nehmen. Woher diese Gelassenheit kommt? Keine Ahnung. Ich rauche gerne Weed. Haha. Aber das ist wahrscheinlich nicht der eigentliche Grund. Ich glaube einfach, dass eine gewisse Genügsamkeit und Gelassenheit im Leben wichtig sind. Sich nicht wegen jedem Scheiß verrückt machen und auch mal über sich selbst lachen können. Ist jetzt keine bewusste Entscheidung besonders gelassen zu sein.


Photocredits: @sixkay_snowgoonsdj
Q: Einige kennen ja eher C-Ras den Producer als C-Ras den Rapper.
Inwiefern beeinflusst dein Produktionsstil deinen Rap-Stil? Was verändert sich, wenn du auf deinen eigenen Beats rappst?
A: Ich glaube, lange Zeit haben mich die meisten eher als Producer wahrgenommen als als Rapper. Ehrlich gesagt habe ich mich selbst auch hauptsächlich so gesehen. Rap war eher etwas, das ich nebenbei gemacht habe. Erst seit ungefähr drei oder vier Jahren habe ich deutlich mehr Bock bekommen, tiefer in das Rap-Ding einzutauchen.
Ob mein Produktionsstil meinen Rap-Stil beeinflusst, kann ich gar nicht so genau sagen. Natürlich ähneln sich die Beats, die ich gerne baue, und die Art von Beats, auf die ich gerne rappe. Das liegt irgendwie auf der Hand. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass das eine das andere krass beeinflusst. Ich habe beim Rappen auch das Gefühl, dass ich meinen eigenen Stil noch immer weiterentwickle und noch nicht komplett am Ziel bin.
Was sich verändert, wenn ich auf meinen eigenen Beats rappe, ist eher der Zugang dazu. Bei Beats von Homies höre ich das fertige Ergebnis und weiß oft sofort, ob ich Bock habe, darauf zu schreiben oder nicht. Wenn ich den Beat selbst produziert habe, war ich den ganzen Entstehungsprozess schon dabei. Bis der Beat fertig ist, habe ich manchmal fast schon wieder das Interesse daran verloren und will lieber direkt den nächsten bauen, statt mich hinzusetzen und noch einen Text darauf zu schreiben.


Photocredits: @the.carlos.alvarez
Q: Man sieht immer wieder, wie du Newcomer in der Szene unterstützt.
Du hast z.b meinem ersten Album einen Beat gespendet, und neuerdings kam auch der Song "Mentality" mit Sunny raus.
Gab es damals bei deinem Start auch Menschen, die hinter dir standen?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe selber immer als extrem bereichernd empfunden, wenn Leute, die schon weiter waren als ich, mich unterstützt haben. Das fing eigentlich schon mit 15 an, als ich mit dem Breaken angefangen habe. Ich wurde von der ganzen B-Boy-Szene super aufgenommen, vor allem aber auch von den älteren Generationen – Leuten von Los Caballeros Crew, Step2Diz Crew und anderen. Die waren skillmäßig und kulturell schon auf einem ganz anderen Level, haben aber nie so getan, als wären sie etwas Besseres. Wie man so schön sagt: Sie haben den Aufzug wieder nach unten geschickt und die Nächsten mitgenommen.
Genau das versuche ich heute auch zu machen. Wenn ich Leute sehe, die Bock haben und Talent mitbringen, dann unterstütze ich sie gerne.
Auch später, als es mit Beats und Rap losging, gab es einige Leute, die mich geprägt und gefördert haben. Vor allem mein Homie Irocc, mit dem ich als Greenery Force Musik mache. Dann K-Hans-K von Hansi's Room, der mir schon zu Breakdance- und DJ-Zeiten viel gezeigt hat und auf dessen Meinung ich bis heute extrem viel Wert lege.
In den letzten Jahren war David P. von Main Concept ein riesiger Support. Er hat mich immer wieder für Gigs empfohlen und Kontakte hergestellt, zum Beispiel zu Sammy Deluxe oder Die P. Daraus sind dann auch eigenständige Kontakte entstanden. Sammy hat mich zum Beispiel für dieses Jahr zu seiner Block Party nach Heidelberg eingeladen um dort zu spielen. Solche Dinge vergisst man nicht.
Deshalb versuche ich heute einfach, etwas davon zurückzugeben.
Q: Am Zamanand hat man gesehen, wie sich die Münchner Rap-Community gegenseitig unter die Arme greift.
Wie siehst du deine Rolle in der Community?
A: Das Zamanand war ein gutes Beispiel dafür, dass die Münchner Hip-Hop-Szene eigentlich viel lebendiger ist, als viele von außen denken.
Ich selbst ordne mir da ehrlich gesagt keine besondere Rolle zu. Ich mache einfach meinen Sound und hoffe, dass genügend Leute etwas damit anfangen können, damit ich auch in Zukunft Bock habe, weiterzumachen. Ich connecte einfach gerne mit Leuten, wenn der Vibe stimmt. Klar muss mir der Sound gefallen, aber noch wichtiger ist eigentlich, dass die Menschen dahinter korrekt sind und ein gutes Wertegerüst haben. Dann macht Zusammenarbeit einfach Spaß.
Natürlich fände ich es schön, wenn man irgendwann über mich sagt: "Der war immer ein stabiler Teil der Münchner Szene und hat sie gut repräsentiert." Vielleicht erkennt man irgendwann auch einen eigenen Münchner Vibe oder einen eigenen Stil in meiner Musik. Ich selbst kann das heute noch gar nicht so genau benennen. Vielleicht sieht man das erst in zehn oder zwanzig Jahren, wenn man zurückblickt.
Q: Gibt es noch ein paar Leute aus der Scene, die du speziell erwähnen willst?
A: Shoutout an meine Homies Irocc und D-Ras von der Greenery Force, an Dasd und Tony Crisp von So Called Strangers, an K-Hans-K und Agent Khai von Hansi's Room, an Monte Christo für den ganzen technischen Support über die Jahre und natürlich an David P, der immer ein riesiger Unterstützer, Förderer und Freund war.
Außerdem Shoutout an meinen Bruder Fin Issue und an alle, die ich jetzt wahrscheinlich vergessen habe.
Ich freue mich einfach, dass wir in München gemeinsam geilen Shit machen können.

